Aargauer Psychiatrie stösst bei Flüchtlingen an ihre Grenzen

Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Schätzungen gehen davon aus, das 80 Prozent der Asylbewerber psychiatrische Symptome aufweisen. Etwa 10 Prozent von ihnen zeigen schwere posttraumatische Belastungsstörungen. Oft wird dies jedoch nicht erkannt und behandelt. Mit Folgen auch für die Gesellschaft.

Die Psychiatrischen Dienste Aargau sind für die Grundversorgung im Kanton zuständig. Behandelt werden hier auch viele Menschen, die nach ihrer Flucht in die Schweiz psychiatrische Symptome zeigen. Die PDAG kümmern sich dabei aus Kapazitätsgründen nur um die Notfälle.

«Man muss das behandeln und man kann das behandeln.»

Nötig wäre eine psychiatrische Betreuung oder Behandlung aber für viel mehr Personen: «Nach internationalen Studien kann man davon ausgehen, dass rund 80 Prozent der Flüchtlinge Symptome psychiatrischer Erkrankungen zeigen», sagt Birgit Kräuchi, Zentrumsleiterin der ambulanten Psychiatrie und Psychotherapie bei den PDAG. Darunter seien Angst- und Paniksymptome, aber auch Depressionen oder Schmerzstörungen.

Die Menschen würden beim Verlassen der Heimat und auf der Flucht Vieles erleben, dazu gehören auch Erlebnisse aus Kriegsgebieten. «Man muss das behandeln und man kann das behandeln», sagt die Psychiaterin im Gespräch mit dem SRF-Regionaljournal. «Rund 10-15 Prozent der Flüchtlinge haben das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung.»

Früherkennung verbessern

Idealerweise würde man neben dem Gesundheits-Check beim Start des Asylverfahrens auch gleich die psychische Gesundheit mit einbeziehen, so Kräuchi. Denn je schneller man mit der Behandlung beginne, desto grösser sei der Erfolg. Sei eine Erkrankung einmal chronisch, werde die Therapie schwierig und aufwändig.

Da eine Abklärung beim Eintritt ins Asylverfahren jedoch zur Zeit nicht realistisch sei, arbeite man im Kanton Aargau mit dem kantonalen Sozialdienst daran die Früherkennung zu verbessern. Sensibilisierte Betreuer von Asylunterkünften oder Hausärzte sind es schon heute, die Flüchtlinge in seelischen Nöten in die Psychiatrie schicken.

Sprache lernen unmöglich

Findet ein Flüchtling den Weg in die psychiatrische Behandlung, so stellen sich weitere Probleme. Viele sprechen kein Deutsch und es fehlt laut Kräuchi an Dolmetschern. Diese werden von der Krankenkasse auch nicht übernommen, viele Psychiater bezahlten die Dolmetscher aus der eigenen Kasse, weiss Kräuchi.

Eine gute Betreuung der Flüchtlinge mit psychiatrischen Symptomen lohne sich für die Gesellschaft so Kräuchi. Denn Flüchtlinge, die mit einem Trauma beschäftigt sind, könnten sich auf nichts anderes konzentrieren. Viele könnten daher die Sprache nicht erlernen und hätten auch sonst grosse Probleme sich zu integrieren.

Quelle: SRF

27.11.2016

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