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Rede von Bundesrat Alain Berset am Lucerne Festival: «Life is Live»

Bundesrat Alain Berset

Bundesrat Alain Berset

Screenshot by YouTube

«Life is Live» lautet das Motto des diesjährigen Lucerne Festivals. Wir sind hier tatsächlich wieder in einem Konzertsaal versammelt: Echte Menschen, dreidimensional, leibhaftig anwesend. Es ist kaum zu fassen: Das ist wahrscheinlich der «Schock des Alten»!

Die Corona-Krise hat unseren Alltag in den letzten Monaten bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Geschlossene Schulen, leergefegte Innenstädte, Home office. Und nicht zuletzt lebten wir plötzlich in einer Welt ohne unmittelbar erlebte Kultur.

Sicher: Die Kulturbranche hat die Möglichkeiten des Internet fleissig ausgelotet. Das Streaming verströmte, zumindest anfangs, einen gewissen Charme. Und es konfrontierte uns, wie wir das von der Kultur erwarten, mit existentiellen Fragen: Wie viele künstlerische Darbietungen vor der heimischen Bücherwand erträgt der Mensch? Wie viele fremde Sofas wollen wir sehen? Vielleicht ist der Rückzug ins Private ja weniger attraktiv, als ihn sich jene vorstellen, die vom Öffentlichen genug haben.

Die letzten Monate haben eine verstörende, aber gleichzeitig auch eine aufklärerische Wirkung entfaltet. Wir haben es seit jeher rituell beteuert – aber jetzt haben wir es wirklich erlebt: Ein vitales Kulturleben gehört zu den Fundamenten einer jeden Gesellschaft, in der es sich zu leben lohnt. Zu einer jeden Gesellschaft, die sich der Gefahr eines erstarrenden Selbstbilds bewusst ist, und die daher danach strebt, sich weiter zu denken und sich weiter zu entwickeln.

Wir brauchen Kultur – verschiedene Perspektiven, originelle Einsichten, Unterhaltung ebenso wie das ernsthafte Spiel mit Identitäten. In der Schweiz sogar ganz besonders, weil wir keine selbstverständliche Nation sind. Sondern eine höchst vielfältige, deren Sprachen und Kulturen sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen.

Wir brauchen Kultur, weil wir selber definieren müssen, was uns verbinden soll. Und was uns verbindet, erleben wir immer noch am intensivsten, wenn es live in unserer Anwesenheit geschieht – im Theater, im Konzertsaal, im Stadion, im Museum. Präsenzkultur – eine weitere Wortschöpfung aus Coronazeiten, die uns vielleicht erhalten bleibt.

Wirtschaftlich präsentiert sich die Situation momentan für Kulturschaffende in vielen Ländern desolat. Was dies für die Lebensqualität und das kreative Potenzial einer Gesellschaft bedeutet, lässt sich derzeit noch kaum erahnen. In der Schweiz wurde und wird die Kultur in dieser existentiellen Krise vergleichsweise stark unterstützt – und das entspricht einem breiten politischen Konsens. Das ist weniger selbstverständlich, als es auf den ersten Blick erscheint. Wird dieses Bewusstsein für die Unverzichtbarkeit der Kultur auch nach dieser Krise noch so stark sein? Es ist zu hoffen.

Niemand weiss, was die Corona-Krise bewirken wird – politisch, wirtschaftlich, kulturell. Zurzeit haben apodiktische Aussagen also eine besonders kurze Halbwertszeit. Mit aller gebotenen Vorsicht lässt sich allenfalls dies sagen: Das Verbindende hat in der Corona-Zeit eine unverhoffte Renaissance erlebt. Das Virus hat uns physisch getrennt, aber gesellschaftlich zusammenrücken lassen. Diese ziemlich schweizerisch anmutende Dialektik von Nähe und Distanz wird uns noch länger begleiten.

Aber ob nach dieser Krise der Gemeinsinn so stark bleibt oder ob die Ungleichheit und die zentrifugalen Kräfte noch stärker werden als zuvor – das ist die grosse – und völlig offene – Frage der nahen Zukunft.

Etwas Gutes scheint aber gekeimt zu sein in diesen Monaten des Nichts: Wir stellen fest: Das Interesse an der Wissenschaft hat wieder zugenommen. Weil man in der Not gemerkt hat, dass es ohne Expertinnen und Experten nicht geht.

Das seit einiger Zeit schwindende Vertrauen in Fakten scheint gebremst. Vielmehr erleben wir, wie der Respekt für jene wächst, die täglich am wissenschaftlichen Fortschritt arbeiten. Nicht zuletzt an einer Impfung gegen das Virus.

Wie hiess doch das internationale Wort des aufwühlenden Jahres 2016? «Post-truth»! Gemäss dem Oxford Dictionary bezieht sich dieser Begriff auf: «Umstände, in denen objektive Fakten weniger einflussreich sind als Appelle an Gefühle oder persönliche Überzeugungen.»

Und jetzt ist die Suche nach der Wahrheit, nach objektiven Fakten, nach belastbaren Aussagen, plötzlich wieder allgemein anerkannt wichtig? Fast scheint es, als seien wir angesichts des Ernstes der Lage selber wieder ernsthafter geworden.

Die letzten Monate haben gezeigt: Nicht nur die Wissenschaft ist ein Entdeckungsverfahren, sondern auch die Politik. In der Schweiz nennen wir das allerdings nicht vornehm «Entdeckungsverfahren» oder «Versuch und Irrtum», sondern «Durchwursteln».

Aber in der Sache ist das nicht so verschieden: Auch in der Politik galt und gilt es, trotz Unwägbarkeiten und Überraschungen konzentriert und entschlossen an Strategien und zielführenden Massnahmen zu arbeiten.

Man entscheidet ständig über Dinge, die eigentlich noch nicht entscheidungsreif sind. Denn das Virus gibt den Takt vor. Da darf man nicht zu viel Angst haben vor Fehlentscheidungen, sonst ist man gelähmt. Und nicht zuletzt geht es darum, zu sagen, was man weiss – und auch zu sagen, was man nicht weiss. Also um Bescheidenheit angesichts einer unsicheren Situation.

Niemand weiss, wie sich unsere Welt durch diese Krise verändert. Aber wir kennen die entscheidende Fragen, mit der sie uns konfrontiert: Wie gehen wir mit Unsicherheit um? Werden wir kreativer und rationaler? Oder werden wir defensiver und misstrauischer? Macht uns die Unsicherheit mutig oder ängstlich?

Jede und jeder Einzelne, jede Gesellschaft, jedes Land muss auf diese Fragen eine Antwort geben. Und nur schon, dass wir uns dieser Frage stellen müssen, halte ich für einen Fortschritt.

Quelle: Bundesrat Alain Berset / Generalsekretariat EDI

16.8.2020

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